Ich möchte an dieser Stelle unsere Erfahrungen mit einem Hund im Rollstuhl zusammentragen, damit die gesammelten Reaktionen von anderen Menschen, Kindern, Hundebesitzern und auch Hunden ein hoffentlich objektives und repräsentatives Bild dessen ergeben, wie Gismo als Hund mit Handicap und wir als Gespann wahrgenommen werden und wie der Alltag mit einem Rollihund aussehen kann. Dahinter steht der Wunsch, betroffenen Hunden und ihren Menschen den Ausblick in eine von sicherlich mehreren Möglichkeiten zu zeigen, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben oder den 'einzig richtigen Weg' propagieren zu wollen. Unsere Geschichte soll auf keinen Fall als Musterbeispiel für andere Schicksale gelten - mir ist sehr wichtig, dass ich nicht missverstanden werde und der Eindruck entsteht, diese Seiten sollen die Botschaft der ausschließlichen Perspektive verkünden. Manchmal ist es bei aller versuchten Objektivität allerdings nicht möglich, das Erlebte auf rein sachlicher Ebene zu erzählen - wie heißt es so schön: wes des Herz voll ist, des geht der Mund über!

 

Viele Hundeforen im Internet diskutieren dieses Thema und immer wieder las ich von der fehlenden Lebensqualität und furchtbaren Vorstellung, dass ein Hund mit der Entscheidung seines Menschen für ein Leben im Rolli leben muss, egal ob er das will oder nicht. Impliziert in diesen Aussagen war schon das sichere Wissen, dass ein Hund eine derartige Alternative niemals wählen würde. Ich frage mich dagegen ernsthaft, wieviele Hunde den Zeitpunkt ihrer Euthanasie so gewählt hätten, wie das ihre Menschen getan haben? Ich will auf keinen Fall in Polemik abrutschen, trotzdem ist es in all diesen Fällen Aussenstehenden absolut unmöglich, ein fundiertes Urteil über Hund, Situation, Lebensqualität und Entscheidung zu fällen. Das können nur diejenigen, die das Tier ein Leben lang gekannt und geliebt haben. Mir ist natürlich schon bewusst, dass überzogene - angebliche - Tierliebe und Nicht-Loslassen-Können eine Zeit der Qual für ein Tier bedeuten können, aber was ist mit all den Leben, die aus ebenso - vermeintlich - gutgemeinter Tierliebe viel zu früh beendet wurden?

 

Gismo's Umgang mit seinem Handicap und sein Verhalten in der neuen Situation scheinen zu bestätigen, dass Tiere leichter mit veränderten Lebenssituationen umgehen können als wir Menschen. Und trotzdem bleibt jeder Fall einzigartig und erfordert individuelles Vorgehen.

 

Ich würde mir wünschen, dass Tierhalter das Wesen und den Zustand ihrer tierischen Begleiter erkennen und die im Sinne des Tieres richtigen Entscheidungen treffen, unabhängig davon, ob dies mehr Arbeit, Geduld, Stärke oder Gehenlassen bedeutet. Unsere Fellnasen haben das verdient.

 

 

 

 

Hunde sind nicht unser ganzes Leben, aber sie machen aus unserem Leben ein Ganzes.


Roger Andrew Caras